Wie die Covid19-Pandemie die Chancengerechtigkeit beeinflusst
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Weiterbildung, Flexibilisierung, Unternehmenskultur Wie die Covid19-Pandemie die Chancengerechtigkeit beeinflusst

Weiterbildung, Flexibilisierung, Unternehmenskultur: Die Covid19-Pandemie hat die Chancengerechtigkeit in Unternehmen verändert. Zum vierten Mal untersuchte die Initiative Chefsache in einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1.000 Beschäftigte in Deutschland, inwieweit sich Arbeiten in Deutschland in den vergangenen Monaten verändert hat: Während Ansehen und Bedeutung flexibler Arbeits(zeit)modelle steigen, werden sie in vielen Unternehmen immer noch zu wenig angeboten und genutzt. Je individueller Arbeit gestaltet werden kann, desto wichtiger ist es, in die offene Unternehmenskultur zu investieren – auch, um die Verbundenheit mit dem eigenen Unternehmen aufrechtzuerhalten. Weiterbildungsangebote könnten hier eine Lösung sein, doch müssen diese sich dann noch konsequenter an den Bedürfnissen der Belegschaft orientieren.

Auffallend ist, dass sich vor allem die Rolle von Führungskräften im Unternehmen in der Covid19-Pandemie verändert hat – mit großen Auswirkungen auf die Chancengerechtigkeit von Männern und Frauen:

  • Führungskräfte nutzen Homeoffice häufiger: 42 Prozent befanden sich im Januar (Vor Verschärfung der Regelungen durch die Bundesregierung). Was im Homeoffice vor allem fehlt: persönlicher Austausch, einfache Kooperation mit dem Team. Was geschätzt wird: selbstständiges Arbeiten ohne Ablenkung, flexible Gestaltung des Arbeitstags, bessere Vereinbarkeit.
  • Das Zugehörigkeitsgefühl von Führungskräften sinkt: Zwar ist das Zugehörigkeitsgefühl zum eigenen Unternehmen immer noch höher ausgeprägt als bei Nicht-Leitenden Angestellten, allerdings sinkt es seit einem Jahr stärker. Das könnte daran liegen, dass das Führen des Teams aus dem Homeoffice herausfordernder ist.
  • Führungskräfte verlieren Interesse an einer offenen Unternehmenskultur: Hatten im Januar 2020 noch 59% der Führungskräfte Interesse an einer solchen Kultur, sind es im Januar 2021 nur noch 47%. Bei allen Beschäftigten ist dieser Rückgang nicht zu beobachten (53 vs. 51%).

„Die Pandemie zeigt mehr als deutlich: Im Remote-Zeitalter brauchen auch Führungskräfte andere Fähigkeiten. Zum einen, um beim Führen auf Distanz weiterhin eine offene Unternehmenskultur aufrechtzuerhalten, zum anderen, um ihrer eigenen Führungsrolle gerecht zu werden. Nur wenn die Führungskräfte ihren Führungsstil an die neuen flexiblen Arbeitsformen anpassen, kann diese Flexibilität Perspektiven für die Chancengerechtigkeit bieten. Gelingt das nicht, wird sie zum Risiko – für alle Beteiligten“, sagt Julia Sperling-Magro, verantwortliche Partnerin bei McKinsey für die Initiative Chefsache.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die zunehmende Unzufriedenheit mit angebotenen Weiterbildungsmaßnahmen der Unternehmen.

  • Bereitschaft zur Weiterbildung ist da: Fast alle Beschäftigten (86%) sind grundsätzlich bereit, sich aus beruflichen Gründen in technischen und digitalen Fähigkeiten fortzubilden.
  • Unzufriedenheit mit Angebot: 54% der Beschäftigten fühlen sich durch das Angebot in ihrem Unternehmen nicht ausreichend auf die Herausforderungen von Digitalisierung und Automatisierung vorbereitet. Besonders Frauen sind unzufrieden: 58% sind der Meinung, dass es nur wenige bzw. unzureichende Angebote gibt; bei den Männern sind es nur 50%. Diese Situation hat sich durch die Pandemie sogar verschlechtert. Im April 2020 waren nur 39% der Beschäftigten mit ihren Weiterbildungsangeboten unzufrieden.

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New-Work-Bericht im März 2021
Initiative Chefsache

Einen Überblick über alle Ergebnisse der Umfragen während der Covid19-Pandemie erhalten Sie in unserem New-Work-Bericht.