Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei ihrer Ansprache.
Bundeswehr/Grauwinkel

Trialog Führen im Wandel

Die dreiteilige Gespräch­sreihe „Führen im Wandel“ fördert den Erfahrungs­aus­tausch über das Geschlechter­verhältnis in Führungs­positionen, macht Perspektiven aus den jeweiligen Organisationen sichtbar und verleiht dem Thema Chancen­gerechtig­keit mehr Geltung und Wirkung. Initiiert wurde das Veranstaltungs­format vom Verteidigungs­ministerium, die Konzeption erfolgte gemeinsam mit den Unter­nehmen Bosch und IBM.

In der Auftakt­veranstaltung am 11. Mai 2016 im Bendler­block in Berlin haben sich hoch­rangige Vertreter von Bosch, IBM und der Bundeswehr mit Verteidigungs­ministerin Ursula von der Leyen über die Möglichkeiten der Erhöhung des Frauen­anteils in Führungs­positionen und über den dafür not­wendigen Wandel der Führungs­kultur aus­getauscht.

Erste Veranstaltung: männliche Führungskräfte von Bosch, IBM und der Bundeswehr.
Bundeswehr/Grauwinkel
Erste Veranstaltung: männliche Führungskräfte von Bosch, IBM und der Bundeswehr.

Die Ministerin nahm sich viel Zeit, um mit den Führungs­kräften zu diskutieren. Hierbei berichtete sie aus eigener Erfahrung, wie sie als junge Ärztin mit Kind Vor­urteile erlebt habe und dass viele ihrer sehr leistungs­fähigen und begabten Kolleginnen nach und nach bei der Besetzung von Führungs­positionen nicht berücksichtigt wurden. „Wir brauchen in der Gesellschaft nicht mehr darüber diskutieren, dass eine Ärztin gleicher­maßen qualifiziert und fähig ist wie ihr männlicher Kollege“, betonte die Ministerin und verwies auf tief ver­ankerte Rollen­bilder, die das Entscheidungs­verhalten in der Arbeits­welt bestimmen und dadurch Frauen von Spitzen­positionen fern­halten. Es sei deshalb Aufgabe der Politik, die Frauen in dieser Phase – Kinder und Karriere – finanziell zu unter­stützen, damit diese ihren Beruf weiter­hin mit der Familie vereinbaren können; zum Beispiel durch flexible Arbeits­zeit­modelle und Möglich­keiten der Kinder­betreuung. „Das alles wird aber nicht viel helfen, wenn die Konzern­spitze der Unternehmen nicht den erklärten Willen zeigt, dass junge Mütter und Väter auch Karriere machen und es bis an die Spitze des Unter­nehmens schaffen können“, so von der Leyen. “Es wollen zwar nicht alle Frauen Chefin werden, aber denen, die es wollen, muss es möglich sein“, brachte sie es abschließend auf den Punkt.

Wir brauchen in der Gesellschaft nicht mehr darüber diskutieren, dass eine Ärztin gleicher­maßen qualifiziert und fähig ist wie ihr männlicher Kollege.

Der Trialog „Führen im Wandel“ wurde moderiert von Kapitän zur See, Christian Dienst (Kommandeur Zentrum Informations­arbeit Bundes­wehr), Petra Kama-Welle (Vice President Consulting, Coaching, Change Management Bosch) und Uta Menges (HR Diversity & Inclusion Leader IBM Deutsch­land). Zur Auftakt­veranstaltung waren bewusst nur Männer eingeladen, um ihre Perspektiven auf die aktuelle Situation und den Veränderungs­prozess zu diskutieren. Dieses „Untersich-Sein“ erleichterte es den Teil­nehmern, sich aus­zu­tauschen und frei über das Geschlechter­verhältnis zu diskutieren. Die Bunde­swehr war mit unter­schiedlichen Hierarchie­ebenen, zivilen und militärischen Angehörigen, vom Kompanie­chef bis zum Inspekteur, vom Abteilungs­leiter Einsatz Marine­kommando bis zum Präsidenten einer Bildungs­einrichtung vertreten. Von den Unter­nehmen Bosch und IBM waren vom Associate Partner über Senior Vice President, Senior Manager und Director ebenfalls unterschiedliche Führungs­ebenen aus unterschiedlichen Unternehmens­bereichen geladen.

Kennenlernen im Dialog.
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Kennenlernen im Dialog.

Die Führungskräfte hatten zunächst in einer Dialog­runde die Gelegen­heit sich kennen zu lernen. Danach folgten in wechselnden Gruppen – vergleichbar eines Speed-Datings – Diskussionen über die persönlichen Erwartungen an die Veranstaltung, die jeweiligen Erfahrungen mit Frauen und Männern in Führungs­positionen und über bestehende (Vor-)Urteile zum Thema Chancen­gerechtig­keit.

Die Fragen „Wo stehen wir im Veränderungs­prozess?“, „Wie haben wir Schwierig­keiten über­wunden?“ und „Was können andere von uns lernen?“ wurden anschließend innerhalb der jeweiligen Organisation erörtert. Hierbei konnte jeder seine individuelle Sicht auf den Veränderungs­prozess ansprechen, ehe im Anschluss die Gemein­samkeiten, aber auch die Unterschiede der jeweiligen Perspektiven zwischen den Organisationen fest­gehalten und sich darüber aus­getauscht wurden. Für alle drei Organisationen Bosch, IBM und Bunde­swehr wurde gleicher­maßen bestätigt, dass die Frauen heut­zutage Familie und Beruf zunehmend besser in Ein­klang bringen können. Dennoch bleibt für diese eine fast unüber­windbare „Ab­bruch­kante“ auf dem Karriere­pfad nach oben unverändert bestehen – und das seit Jahr­zehnten.

Abteilungsleiter Personal BMVg, Vizeadmiral Joachim Rühle (M.), im Gespräch mit Führungskräften.
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Abteilungsleiter Personal BMVg, Vizeadmiral Joachim Rühle (M.), im Gespräch mit Führungskräften.

Abschließend diskutierten die Führungs­kräfte, welche Impulse sie von der Rede der Ministerin für sich persönlich und für die eigene Organisation mitnehmen können. Wichtigste Erkenntnis war dabei, dass eine sichtbare Repräsentanz von Frauen in Führungs­positionen auf allen Ebenen der jeweiligen Organisation zwingend erforderlich ist. Nur mit solchen „Role-Models“ als motivierende Vor­bilder kann es gelingen, den Frauen­anteil und somit auch den Frauen­(führungs)nachwuchs sichtbar zu erhöhen.

Als Fazit der ersten Veranstaltung kann fest­gehalten werden: Es liegt in der Führungs­verantwortung eines jeden Einzelnen, und zwar bereits auf der unteren und mittleren Management­ebene, die vielfach zitierten gesellschaftlichen oder systemischen Hindernisse anzugehen und zur Chancen­gerechtig­keit beizutragen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (M.) mit den geladenen Führungskräften sowie dem Moderatoren- und Organisationsteam vor dem Bendlerblock in Berlin.
Bundeswehr/Grauwinkel
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (M.) mit den geladenen Führungskräften sowie dem Moderatoren- und Organisationsteam vor dem Bendlerblock in Berlin.

Das zweite Modul des Trialogs wird am 30. Mai 2016 bei IBM stattfinden. An diesem werden dann nur weibliche Führungs­kräfte teil­nehmen. Das dritte und letzte Modul ist für den 18. Juni 2016 bei Bosch vorgesehen. Dann werden sich männliche und weibliche Führungs­kräfte zu diesem Thema austauschen.

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