Dr. Katharina Wrohlich
DIW Berlin

Dual Career Dr. Katharina Wrohlich: „Teilzeit ist für Frauen ein Karrierekiller“

Dr. Katharina Wrohlich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Bereich „Gender Studies“. Was die Politik noch leisten muss, um duale Karrieren attraktiver zu gestalten und um Frauen aus der Karrierefalle zu holen, erklärt sie im Interview.

Was kann die Politik zur Förderung von Dualen Karrieren aus wissenschaftlicher Sicht tun?

Dazu muss man zunächst verstehen, woher wir kommen: Lange Zeit lebten vor allem in Westdeutschland die meisten Familien nach dem Ein-Verdiener-Modell, in der DDR herrschte das Zwei-Verdiener-Modell vor. Heute leben die meisten Familien – zumindest in Westdeutschland – nach dem 1,5-Verdiener-Modell, bei dem meist der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet. Und das hat Nachteile – vor allem für Frauen. Denn die Forschung hat gezeigt: Wenn Frauen über einen längeren Zeitraum in Teilzeit, also bis zu 30 Wochenstunden, arbeiten, dann ist das leider wirklich ein Karrierekiller.

Ich persönlich halte die so genannten Partnerschaftsmodelle für sehr spannend: Könnte die Lösung nicht vielleicht ein 2 mal 0,75-Verdiener-Modell sein, in dem beide für eine Zeit lang im Berufsleben ein wenig kürzertreten? Dieses Modell, das auch unter dem Namen „Familienarbeitszeit“ diskutiert wird, ist charmant, weil hier eine finanzielle Leistung für privat erbrachte Sorgearbeit gezahlt wird, aber nur wenn sich beide Elternteile engagieren.

Es gibt dazu auch bereits erste Studien, die wir am DIW für die Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt haben. Wenn beide Eltern ihre Arbeitszeit auf 28-32 Stunden pro Woche reduzieren und hierfür eine Lohnersatzleistung von 65 Prozent (gedeckelt bei 360 Euro pro Elternteil und Monat) erhalten, kann eine Steigerung der Frauenbeschäftigungsquote von 0,4 Prozentpunkten erreicht werden und das gesamte Arbeitsvolumen von Frauen um durchschnittlich gut ein Prozent steigen. Männer würden im Durchschnitt um gut 0,1 Prozent weniger arbeiten – insgesamt würde dies aber durch den Anstieg der Arbeitszeit von Frauen überkompensiert. 

Was halten Sie von den Partnerschaftsbonusmonaten, die seit 2015 ins Elterngeld integriert sind?

Die Idee der Familienarbeitszeit wird hier aufgegriffen. Das Elterngeld Plus mit den Partnerschaftsbonus-Monaten ist ein erster Schritt in diese Richtung: Entscheiden sich Mütter und Väter, zeitgleich für vier Monate in Teilzeit zu gehen, erhalten sie jeweils vier zusätzliche Elterngeld Plus Monate. Damit bleiben Familien während einer Teilzeittätigkeit länger finanziell abgesichert und finden leichter in eine partnerschaftliche Aufgabenteilung hinein. Ein Ausbau solcher Programme könnte der Geschlechtergerechtigkeit zusätzliche Impulse geben.

Welche steuerlichen Anreize könnten grundsätzlich sinnvoll sein?

Die vielen verschiedenen Maßnahmen wie etwa die beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenversicherung für Ehepartner plus die Minijobregelung und das Ehegattensplitting führen derzeit dazu, dass es sich für Frauen mit einem Ehemann mit gutem Einkommen teilweise nicht lohnt eine Teilzeitstelle oberhalb des Minijobs anzunehmen, gerade wenn dann auch noch Kinderbetreuungskosten dazu kommen. Sprich: Viele müssen dann wirklich auf eine hohe Teilzeit- oder Vollzeitstelle gehen, um überhaupt das gleiche Haushaltsnettoeinkommen zu erreichen, dass sie in der Variante „Mann Vollzeit/Frau Minijob“ haben. Das ist anreiztechnisch vollkommen absurd. Wenn man die Gelegenheit hätte, das Steuertransfersystem komplett neu zu entwickeln, wäre Individualbesteuerung die bessere Variante.

Auf der Chefsache-Jahreskonferenz im Mai 2019 diskutierten mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Chancengerechtigkeit und Dual Career, Best Practice und

weitere erfolgsversprechenden Maßnahmen. Lesen Sie den Chefsache-Report „Dual Career – Erfolg gemeinsam gestalten“ inklusive der exklusiven Umfrage unter deutschen Führungskräften.

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